Dieser Text ist „work in progress“
Abhyasa
Zu den wichtigsten Aktivitäten einer Yogaschule gehört meines Erachtens ein Element, das in der gegenwärtigen Zeit, zumindest den Schulen im Westen, immer mehr an Bedeutung abnimmt. Dieses Element ist die Praxis, das Üben. Das Üben ist das beste Mittel gegen Dogmatismus und priesterliches Gehabe, wie es in spirituellen Kreisen gegenwärtig, in Ermangelung starker Lehrerpersönlichkeiten, immer mehr in Mode kommt. Leider weiss man von Lehrern, die kaum über eigene Übungspraxis verfügen.
|
|
Was bedeutet es, zu üben? B. K. S. Iyengar, der Begründer der Tradition, auf die ich mich als Übender und Lehrer berufe, sagt, als Übender sei er Philosoph. Ein Philosoph ist ein Wahrheitssucher. Kein Yoga ohne Wahrhaftigkeit (satya), definiert Patanjali. Beim Üben setzt sich der ins Nichtwissen geworfene Mensch der Wahrheit seiner eigenen Beschränktheit aus.
Üben ist eine Lebenshaltung, eine geistige Einstellung. Musiker wissen es, manche andere Künstler wie Maler wissen es, manche Lehrer wissen es, mit ein wenig Nachsicht kann man die Sportler vielleicht auch nennen. Es gibt ja auch schöne Sprichwörter dazu, wie Üben und Leben zusammenhängen. Dennoch geht diese Haltung als eine populäre Einstellung den Dingen gegenüber immer mehr verloren. Gefragt ist Spontaneität, das Spiel, Genuss. Der Übende weiß, es gibt keinen größeren Genuss, als der Wahrheit ein stückweit den Schleier zu lüften. Und nicht zuletzt wird jedes Spiel tiefer und schöner, wenn es vom rechten Verstehen begleitet ist.
Die Unterweisung
Unterricht besuchen ist kein Üben. Als Schüler bist du in der Hand des Lehrers, er gibt dir beim Vorgeben der Übungssequenzen, dem Hinweisen auf Fokuspunkte, der Rhythmisierung innerer Vorgänge das Wissen, das ein Übender sich im Laufe vieler Jahre erarbeiten muss. Beim Üben bist du allein auf der Matte, angewiesen auf die, meist unzureichende, Erinnerung und vor allem aller Trägheit, allem Widerwillen, aller Ängstlichkeit ausgesetzt, kurz: dem Nichtwissen (avidya), das Teil unserer Natur ist. Der Lehrer ersetzt diese Notwendigkeit der Auseinandersetzung nicht, nimmt nicht die Notwendigkeit und die Schwierigkeit, sich dieser Blindheit auszusetzen. Beim Üben ist der Lehrer die eigene Natur, die mit Hilfe der Methode erhellt werden muss. Ein guter Lehrer kann vielleicht das Licht anschalten, aber sehen muss der Übende selbst!
Disziplin
Eine lebendige, fortschreitende Praxis beginnt mit der Freude, die das schrittweise Erkennen auslösen kann und sollte. Disziplin kommt später! Disziplin wird dann nötig, wenn der Schüler anfängt, seine Natur mit eigenen Fragen zu untersuchen (Shandor Remete: „Your ear is ringing? Pick up the Phone!“). Eine lebendige, progressive Praxis zu halten bedeutet, in der Fülle der Orientierungspunkte, die man sich auf dem Kontinent des Yoga schafft, den Horizont die Unendlichkeit berühren zu lassen. Beharrliches Befragen der Wirklichkeit. Yoga ist Naturstudium.
Formen des Freien Übens
Das freie Üben ist zunächst indivuelle Praxis, genau so, als wären die Übenden jeder für sich. Aber aus der Begegnung entstehen Zwischenformen, die diese Einrichtung lebendig machen. Vom Nebeneinanderherüben, dem gemeinsamen Üben bis zum normalen Unterricht kann es durch die Bedürfnisse und Bereitschaft der Übenden zu verschiedensten spontanen Formen kommen. Auch Gespräche, der Austausch von Erfahrungen, das Diskutieren von Problemen, die sich aus der Praxis ergeben bis hin zu philosophischen Gesprächen ist alles möglich.
Georg Koppitz
nächste Freie Übungszeiten
Samstag, den 01.07.2006, 15:00 Uhr
Montag, den 03.07.2006, 11:00 Uhr
Mittwoch, den 05.07.2006, 16:00 Uhr
zurück nach oben
|